Erster Swiss Business Day ein Erfolg

2010.5.12

Unsere Kammer veranstaltete am 12. Mai im Syma-Zentrum den ersten Swiss Business Day. Die Initiative wurde unterstützt durch die Schweizer Botschaft, die OSEC, die SEC und den in Ungarn tätigen Swiss Business Club. Ziel der Veranstaltung war es, den Leitern und Repräsentanten der in Ungarn tätigen Schweizer Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, sich besser kennen zu lernen sowie sich mit der Tätigkeit ihrer Partner vertraut zu machen.

Gleichzeitig boten wir – mit Hilfe von Vorträgen führender Experten – die Möglichkeit, sich über aktuelle wirtschaftliche Themen zu orientieren. Zuletzt haben führende Vertreter unserer Mitgliedsfirmen ihre Erwartungen bezüglich der Tätigkeit der neuen Regierung formuliert.
Erfreulicherweise konnten wir eine recht positive Reaktion auf die Initiative registrieren: Rund 50 Unternehmen waren auch durch Produktschauen, Informationsstände auf der Veranstaltung vertreten, an der auch Repräsentanten des Schweizer Geschäftslebens teilnahmen.

Christian Mühlethaler, der Botschafter der Schweiz, eröffnete die Veranstaltung. Er begrüsste die Anwesenden und die Initiative. Dabei betonte er: Offenbar gebe es die Notwendigkeit für solche Treffen, für das Networking, so dass sich die Führungskräfte der Schweizer Unternehmen näher kennen lernen und ihre Tätigkeit auch dadurch weiter entwickeln können. Der Botschafter wünschte der Veranstaltung eine gute Arbeit und eine Fortsetzung der Initiative.

Kammerpräsident Dr. István Béres begrüsste danach die Anwesenden und machte sie mit dem Programm bekannt.

Szabolcs Vámosi-Nagy über die Steuerpolitik

Szabolcs Vámosi-Nagy, Direktor von Ernst and Young Ungarn, früherer stv. Generaldirektor der Steuerbehörde, sprach in seinem Vortrag über die notwendigen Änderungen im Steuersystem und in der Steuerpolitik. Er äußerte sich auch dazu, was auf diesem Gebiet von der neuen Regierung zu erwarten sei. Das Ziel, die Steuerbelastung um vier bis fünf Prozent auf das Niveau der Nachbarstaaten zu senken, und zwar in vier Jahren für die Unternehmen sowie in sechs Jahren für die Bevölkerung, erscheine realistisch. Jedenfalls realistischer, als frühere Versprechen für eine umfassende Steuerreform ab dem 1.7. – dazu fehlten auch die technischen Voraussetzungen. Erstrangig sei die Verringerung der Arbeitskosten. Ebenso wünschenswert sei die Senkung der Gewinnsteuer. Nicht weniger wichtig sei die Stabilität: Eine Praxis, bei der Steuervorschriften mehrmals im Jahr geändert werden, sei inakzeptabel und schrecke die Investoren ab.

Die Formulierung von Viktor Orbán, wonach die Steuererklärungen auf das Mass einer Bierglasunterlage geschrumpft würden, sei zwar eine rhetorische Übertreibung, doch eine Vereinfachung des ausserordentlich komplizierten Systems sei unabdingbar. Von den 53 Steuern könnten 14 bis 16 problemlos abgeschafft werden.

Laut Vámosi-Nagy kann das angekündigte, familienfreundliche Steuersystem nur eine ergänzende Massnahme bei der Verbesserung der tristen demographische Lage bedeuten, es würde nur den Interessen einer dünnen Schicht von Intellektuellen dienen. Die Einführung eines solchen Systems sei auch wegen der Definition des Begriffs der Familie sehr kompliziert. Die Lösung könnte (nach französischem Muster) in der Kombination aus Familienbeihilfen und einer Steuererleichterung liegen.

Die „Robin Hood-Steuer“ sei eine unglückliche Lösung: Das Vermischen der Sozial- mit der Steuerpolitik sei nicht wünschenswert. Die Gewerbesteuer sei keine einmalige Erscheinung, solche Steuern gebe es auch in Frankreich und Italien. Ihre Abschaffung wäre zweckmässig, doch gebe es dazu vor der Verbesserung der Budgetlage und einer Neuordnung bei der Finanzierung der Kommunalverwaltungen keine Möglichkeit. Laut dem Vortragenden wäre eine Immobiliensteuer berechtigt – immerhin in einer Form, in der diese Steuer von der Einkommens- und der Gewerbesteuer abgeschrieben werden könne.

MAPI – Ausschreibungsmöglichkeiten

Zsombor Essősy, Generaldirektor der MAPI GmbH., erinnerte im seinen Vortrag u.a. daran, dass in dem gegenwärtigen Zyklus der EU-Unterstützungen zur Halbzeit noch 85 % der Fonds nicht zugeteilt seien. Das böte die Möglichkeit zu überdenken, wie diese riesigen Gelder zweckmässig benutzt werden könnten. Man brauche keine Prestigeinvestitionen wie in manchen Städten, wo (den Eigenanteil aus Krediten besorgend) etwa Kulturzentren errichtet würden, ohne damit zu rechnen, welch hohe Kosten der Betrieb solcher Institutionen später bedeute. Das Interesse der Gemeinschaft erfordere nützliche, gewinnbringende Investitionen. Dazu wäre es auch nötig, die Zahl der Bewerbungen zu senken – ebenso die der zahlreichen staatlichen Stellen, die sich mit der Beurteilung der Projekte befassen.

Die nächsten Stunden boten den Teilnehmern die Möglichkeit, Kontakte aufzunehmen und Verhandlungen zu führen, bevor am Nachmittag das gemeinsame Programm fortgesetzt wurde.

Prof. Balázs Botos über die Wirtschaftspolitik der Regierung

Dr. István Béres stellte Balázs Botos vor, Professor an der Lajos Király Hochschule, auf den wichtige Aufgaben im Fachapparat der neuen Regierung warten. Prof. Botos hatte führende Positionen in der Antall-Regierung inne, stand danach an der Spitze der Ungarischen Exportkredit-Versicherung AG. Als seine persönliche Meinung vertrat er die Ansicht, dass die neue Regierung gleichzeitig versuchen werde, die Wirtschaftsentwicklung zu beschleunigen, die Balance des Haushaltes zu sichern und die Staatsschulden zu verringern. Die Sondierungen Richtung IWF und EU seien in dieser Hinsicht ermutigend gewesen. Zwar sei auch in den kommenden drei Jahren eine strenge Haushaltspolitik zu erwarten, dennoch werde zum 1.7. mit der Steuerreform begonnen, die sowohl die privaten Steuerzahler, als auch die Unternehmen betreffen werde. Die „Bruttoisierung“ der Gehälter werde abgeschafft, die Budgetausgaben reduziert – wobei man die notwendigen Ressourcen für das Bildungswesen und für Forschung und Entwicklung sichern wolle.

Im Interesse der Wirtschaftsentwicklung bestünden folgende Zielsetzungen: das Umfeld für die Investoren transparenter gestalten – eine berechenbare Wirtschaftspolitik und ein Zukunftsbild – ein nachhaltiger Haushalt – sinkende Budgetschulden – Verbesserung der Verwaltung, Zurückdrängung der Bürokratie – Sicherung der Bedingungen für die Mobilität der Arbeitskräfte.

Die Regierung wolle sich in der Wirtschaft auf Zweige konzentrieren, die ein deutliches Wachstum ermöglichen. Dazu gehörten die Fahrzeugindustrie, (wo die Entwicklung der einheimischen Zulieferer im Vordergrund stehen werde) – die Gesundheitsindustrie, darunter der Pharmasektor, die Produktion von medizinischen Geräten, der Thermal-Tourismus. Man wolle die Bildung der Ingenieure sowie der Facharbeiter forcieren. Auch für die Arbeitskräfte mit einem niedrigen Schulabschluss sei Weiterbildung der Ausweg.

Der Aussenhandel werde zentral gelenkt und bemüht sein, die Kontakte – auch zur Risikominimierung – neben der EU zu den BRIC-Staaten und zu denjenigen Nachbarländern auszubauen, die noch nicht der Union angehören.

Podiumsgespräch von Leitern Schweizer Grossunternehmen

Nach den Vorträgen führten Leiter von in Ungarn tätigen Schweizer Grossunternehmen unter der Moderation von Dr. István Béres ein Podiumsgespräch über die Frage, was die Wirtschaft von der Politik der neuen Regierung erwarte. Teilnehmer des Gesprächs waren: Johanna Kruchina, Geschäftsführerin von Sika Hungária Kft., Tamás Szolyák, Geschäftsführer von Novartis Hungaria, Gábor Briglovics, Generaldirektor von Alpiq Energia Magyarország GmbH., Zoltán Nagy, Geschäftsführer von Phoenix- Mecano Kecskemét und János Prodán, Geschäftsführer der Zultzer GmbH.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Fragen der Bürokratie, der Steuersenkung, der Schaffung von Arbeitsplätzen. Einverstanden waren die Teilnehmer in der Frage, dass Schweizer Unternehmen die Korruption keineswegs tolerieren dürften – auch dann nicht, wenn (wie das manche schon erleben mussten) diese moralische Grundeinstellung die Konsequenz hatte, lukrative Aufträge zu verlieren. Hinter der Korruption stünden auch die riesigen Steuerlasten und Regulierungen, die nicht eingehalten werden könnten. Ein Abbau der Bürokratie sei notwendig, ebenso eine Atmosphäre, in der die Behörden die Realwirtschaft als Partner erkennen, anstatt ihr oft in kleinlicher Weise Unannehmlichkeiten zu bereiten.
Einverstanden waren die Führungskräfte, dass das Land ein Steuersystem brauche, das im Vergleich mit denen der Nachbarländer wettbewerbsfähig ist. Einvernehmen herrschte auch darüber, dass die Arbeitskosten gesenkt werden müssten und dass man eine berechenbare Wirtschafts- und Steuerpolitik brauche.

Wie Kammerpräsident Dr. István Béres in seinem Schlusswort betonte, war der erste Swiss Business Day ein Erfolg. Es wurde bewiesen, dass es sich um eine zukunftsträchtige Initiative handle, die sicherlich fortgesetzt werde.

Die Veranstaltung schloss mit dem Empfang des Schweizer Botschafters, Christian Mühlethaler.

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