Professor László Csaba Gast bei unserem Business-Lunch

2010.4.19

Prof. László Csaba, Lehrstuhlleiter der Central European University, war am 19. April Gast bei unserem Business-Lunch im Hotel Marriott. Die sehr gut besuchte Veranstaltung organisierten wir einmal mehr mit einer Reihe unserer Partner: der Deutsch-Ungarischen, der Britischen, der Französischen und der Kanadischen Handelskammer.

Kammerpräsident István Béres stellte den international bekannten Ökonomen und Doktor der Akademie der Wissenschaften vor. Csaba unterrichtet seit über 20 Jahren Generationen von Volkswirtschaftlern, u.a. an der Universität Debrecen sowie an der CEU.

In seinem Vortrag über die kurz- und langfristigen Wirtschaftsaussichten Ungarns äußerte Professor Csaba einleitend die Ansicht, dass die vergangenen sechs Jahre Ungarn lediglich eine Driftbewegung eingebracht hätten. Angesichts der bekanntgewordenen Vergangenheit von Ministerpräsident Péter Medgyessy als Geheimdienstoffizier sowie vor dem Hintergrund der „Lügenrede“ von Premier Ferenc Gyurcsány hätten deren Regierungen keine Legitimationen für ein effektives Arbeiten besessen. Ihre in einem politischen Vakuum agierenden Kabinette seien nicht in der Lage gewesen, die notwendigen Reformen durchzuführen. Es sei eine Art Doppelmacht entstanden, bei der die Linke lediglich dazu befähigt gewesen sei, ein attraktives, jedoch ineffektives „Medienregieren“ zu praktizieren.

Die sich bald formierende neue Regierung werde als allererste Aufgabe reinen Tisch machen müssen: Wie hoch sind die Staatsschulden tatsächlich? Wie wird sich das reale Haushaltsdefizit zum Jahresende gestalten? Auf welchem Niveau bewegen sich die Schulden der großen Staatsunternehmen? Und so weiter. Darauffolgend könne ein mittelfristiger Plan mit der realistischen Zielsetzung der Einführung des Euro 2014 ausgearbeitet werden.

Nach Ansicht von Csaba wird sich der Spielraum der Fidesz-Regierung in der gegebenen Lage sehr eng gestalten. Nicht zuletzt deshalb werde sie die Glaubwürdigkeit in den Mittelpunkt stellen und sich vor Schritten hüten, die das finanzielle Gleichgewicht gefährden könnten. Csaba äußerte sich auch über bisher bekannte Persönlichkeiten der neuen Regierung. Außenminister János Martonyi sei als gemäßigter Politiker bekannt. Mihály Varga, Finanzminister der ersten Fidesz-Regierung, sei nie als ein Freund verschwenderischer Verteilung aufgefallen. Der andere führende Ökonom der Partei, György Matolcsy, spreche nicht mehr über die Wirtschaft belebende Maßnahmen.
Der Professor widersprach auch manchen westeuropäischen Pressestimmen, die die zukünftige Regierungspartei – unter kompletter Verkennung der Lage – als rechtsextremistisch einstufen. In diese Ecke gehöre die Jobbik-Partei.

Mit einer ausgewogenen Politik, die auf Transparenz, der Verringerung von Budgetausgaben, Steuern und Bürokratie sowie auf einer Reform des Steuer- und Bildungswesens beruht, könne Ungarn ab 2012 ein jährliches Wirtschaftswachstum von 4 bis 4,5 Prozent erreichen und dadurch zum Mittelfeld der Region aufschließen.
 
Fragen beantwortend meinte Prof. Csaba: Ungarn hätte noch größere Chancen auf dem Gebiet des Heiltourismus sowie bei den finanziellen Dienstleistungen.