Schweizer Wirtschaftspolitik - vom Armenhaus zum Wirtschaftswunder

2012.9.12

Unter dem Titel „Die Schattenseiten des Erfolgs” hielt Dr. Gerhard Schwarz, Direkt or von Avenir Suisse (einem unabhängigen Think Tank, der unter Anderem auch die Regierung der Schweiz berät und Studien anfertigt), am Abend des 12. September, den Carl-Lutz-Vortrag im Spiegelsaal der Andrássy Universität Budapest.
Der ehemalige Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung begann seinen Vortrag mit dem jüdischen Zitat: „Wen Gott strafen will, dem erfüllt er all seine Wünsche.“ Dabei dachte er an die Schweiz, die als eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt gilt. Trotz Krise verfügt das Land über ein stabiles Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit, hohe Lebensqualität und eine funktionierende Schuldenbremse.
Der Referent beschreibt unter dem Titel „Vom Armenhaus zum Wirtschaftswunder“, die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz seit der Staatsgründung 1848. Die Tatsache,  dass das kleine Land kaum über natürliche Ressourcen verfügt, führte bei den Schweizern zu einer Mentalität der Anstrengung und Bescheidenheit, was paradoxer Weise auch den Schlüssel zu ihrem Erfolg darstellte. Die Offenheit gegenüber Fremden, die sich durch die Mehrsprachigkeit des Landes entwickelt habe, sei ein weiterer Faktor, der dem Modell Schweiz binnen der letzten 160 Jahre zu großem Erfolg verhalf.
Diese Offenheit ist es aber auch, die nun große Gefahren für das kleine Land birgt, denn es steht einem instabilen Umfeld gegenüber: das schwache Wachstum in China, die schwächelnde US- Wirtschaft und die schlechten Aussichten in der EU treiben viele Anleger in den vermeintlich sicheren Alpenstaat. Dadurch geriete der Franken unter enormen Druck und die schweizerische Zentralbank tat – nach Meinung des Politikberaters – das Richtige, indem sie den Wechselkurs an eine Untergrenze von 1,20 CHF/1 EUR festigte, denn ein über lange Zeit hinweg starker Franken hätte zu einem Deindustrialisieren der Schweiz geführt, da die schweizerischen Unternehmen sonst noch mehr an Konkurrenzfähigkeit eingebüßt hätten, als sie es letztendlich taten. So seien auch die Lohn/Stück-Kosten um 45% gestiegen, was trotz hoher Produktivität dem Niveau von Krisenstaat Griechenland gleich käme.
Dr. Schwarz sieht in dem Aufwertungsdruck des CHF aber auch etwas Gutes: Er stelle eine Produktivitätspeitsche für die Wirtschaft dar.

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