Starker Franken und starke Exporte

Seit Anfang 2010 hat der Euro gegenüber der Schweizer Währung über 18 Prozent verloren, seit Ende 2007 sogar rund 30 Prozent. Sollte die Euro-Krise andauern, könnten die Währungen den gleichen Wert erreichen.
Ein starker Franken verteuert die Exporte der Schweizer Firmen. Eine ähnliche Aufwertung gegenüber der damaligen D-Mark von über 25 Prozent zwischen April 1977 und September 1978  hatte die Wachstumsdynamik empfindlich belastet. Aufgrund solcher Erfahrungen wäre eigentlich zu erwarten, dass die Schweizer Exporte jetzt um rund 15 Prozent schrumpfen sollten. Doch die Wirtschaft wächst weiter in hohem Tempo und Seco erwartet eine Zunahme der Exporte im laufenden Jahr um 4,6 Prozent.
 Die Schweizer Industrie sei dank Innovationen und Spezialisierungen dem Preiswettbewerb relativ wenig ausgesetzt. Zweitens hätten sich die Exporteure vermehrt auf andere Regionen als die Eurozone, beispielsweise auf Asien, ausgerichtet. Die Autoren der Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich räumen ein, dass die Branchen sehr unterschiedlich von der Frankenstärke tangiert seien. Ein Wechselkursschock spiele nur in den Branchen Maschinen, Apparate und Elektronik sowie Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie eine Rolle. Deren Anteil am Exportvolumen sei indessen in den letzten zwei Jahrzehnten von 26 Prozent auf 20 , bzw. von 19 auf 16 Prozent gesunken. Umgekehrt habe sich gezeigt, dass die Bereiche Chemie und Pharma kaum vom Wechselkurs abgängig seien.

 «Diese Währungskrise dürfte entgegen gewissen Verharmlosungen gravierender ausfallen als die in den Siebzigerjahren», erklärte Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer.  «Unser Haus steht in Flammen», warnte Hans Hess, der Präsident der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem). Bereits jeder dritte Betrieb befinde sich wegen des starken Frankens in der Verlustzone.

David Marmet, Leiter Volkswirtschaft Schweiz bei der ZKB, geht davon aus, dass sich in der zweiten Jahreshälfte in den Zahlen der Firmen schon deutliche Bremsspuren feststellen lassen. Viele Exportfirmen machen offenbar grosse Konzessionen bei den Preisen. Einen so hohen Preis für die Verteidigung der Marktanteile können sich die Firmen kaum auf lange Sicht leisten. Übrigens haben vor allem Kleinbetriebe mit dem starken Franken zu kämpfen. Grosskonzerne wie Novartis, Roche, Givaudan oder Clariant sind durch weltweite Produktionsnetze gegen Währungsverluste abgesichert.

 Laut Marmet müsse die Schweiz wohl mit einem noch stärkeren Franken als heute leben. Für das nächste Jahr geht er von etwa 1.25 Franken aus. Nach Berechnungen der ZKB beträgt der der Kaufkraft entsprechende Wert des Euro derzeit 1.33 Franken. Aber auch dieser faire Wert werde weiter sinken, solange die Teuerung in den Euro-Ländern höher ist als in der Schweiz. Sollte sich die Euro-Krise weiter zuspitzen, schliesst Marmet nicht aus, dass Euro und Franken dereinst zum selben Preis gehandelt werden.(NZZ)